Turnierarzt© 2014 Dr. Patrick D. Dißmann Kontaktieren Sie den Turnierarzt

Medizinische Kompetenz rund um den Reitsport

Verbesserte Reitsicherheit - in 3 einfachen Schritten

1. Unfallvorbeugung

Reiten erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit, insbesondere im Rahmen von Ferienkursen für jedermann auf dem Ponyhof. Hierbei wird häufig vergessen, dass Pferde Fluchttiere sind und somit unberechenbar auf äußere Reize reagieren können. Diese Faktoren erfordern vom Menschen eine stete Aufmerksamkeit und eine gute Kenntnis des Verhaltens dieser Tiere. Es verwundert daher nicht, dass sich über 50% aller Unfälle nicht beim Reiten sondern beim Umgang mit Pferden in der Box, der Stallgasse, auf der Koppel, etc. ereignen. Obschon die meisten Verletzungen leicht sind, kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen mit teilweise bleibenden oder sogar fatalen Folgen. So endeten 2012 die Reiterferien für einen 8-jährigen Jungen tödlich. Er wurde in der Stallgasse von seinem Pflegepony getreten und so unglücklich getroffen, dass er später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlag. Verletzungen im Pferdesport sind sehr vielfältig. Ebenso die Mechanismen, die zu Unfällen führen. Führende Wissenschaftler schätzen die Häufigkeit von tödlichen Reitunfällen auf ca. 1/10.000 Reiter pro Jahr. Häufigste Todesursachen sind dabei Kopfverletzungen (72%), gefolgt vom Brustkorb- (15%) und Bauchtrauma (13%).

Daher sollten die folgenden Sicherheitsregeln beim Umgang mit Pferden beherzigt werden:
  • Tragen von angemessener Kleidung (festes Schuhwerk, Reitstiefeln oder Stiefeletten, Reithelm, Schutzweste, Reithandschuhe)
  • Ruhiges Verhalten im Stall und in Nähe von Pferden. Schreien und Rumrennen kann die Pferde ängstlich machen.
  • Niemals einem Pferd von hinten nähern! Das Pferd könnte sich erschrecken und austreten.
  • Vor dem Betreten der Box das Pferd immer ansprechen und ihm von vorne oder seitlich nähern! Hinhalten des Handrückens zum Beschnuppern erleichtert die Begrüßung.
  • Immer darauf achten, dass die Stallgasse oder der Putzplatz aufgeräumt ist. Herumliegende Gegenstände sind ein Verletzungsrisiko für Pferd und Reiter!
  • Putzen des Pferdes immer von der Seite und beim Hufeauskratzen, die eigenen Füße so platzieren, dass der Pferdehuf nach dem Abstellen nicht darauf abgesetzt wird.
  • Immer ruhig und bestimmt mit dem Pferd umgehen. Pferde spüren Angst und lassen es ebenfalls ängstlich werden.
  • Führen des Pferdes immer von links! Führstrick oder Zügel werden dicht unter dem Kopf des Pferdes in die rechte Hand genommen und das Ende in die linke.
  • Füttern der Pferde nur mit Erlaubnis der Besitzer. Niemals Pferde füttern, die sich in einer freilaufenden Gruppe befinden! Futterneid könnte zu unangenehmen Keilereien führen!

2. Schutzbekleidung

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Reithelme:
Nicht jeder Reithelm ist für jede reiterliche Aktivität gleich gut geeignet! So nützen Geländekappen bei einem Sturz auf weichem Boden in der Reithalle oder auf dem Außenplatz nur wenig. In der Tat können sie die Auswirkungen eines Sturzes noch verschlimmern! Dies wurde 2014 leider an einem tragischen Trainingsunfall auf dem Abreiteplatz sehr deutlich und hängt mit der Tatsache zusammen, dass ein Geländehelm erst bei hohen Aufprallgeschwindigkeiten deformiert und so die Sturzenergie absorbiert. Im Rahmen eines Sturzes bei niedriger Geschwindigkeit und auf weichem Boden (z.B. Dressurprüfung, Abreiten) wird also durch einen Geländehelm nur sehr wenig oder überhaupt gar keine kinetische Energie absorbiert. Im schlimmsten Fall wird diese sogar 1:1 auf die Schädeldecke des Reiters übertragen. Dass eine Dressurkappe nicht vor schweren Kopfverletzungen im Gelände schützt, bedarf vermutlich keiner weiteren Ausführungen. Es sollte daher immer die korrekte Reitkappe für die jeweilige reiterliche Aktivität gewählt werden. Ferner sollte die Wahl auf ein Produkt fallen, welches den gängigen deutschen (DIN) bzw. europäischen (EN) Zertifizierungsnormen entspricht. Das Reiten ohne jeglichen Kopfschutz ist heute nicht mehr zeitgemäß und erscheint verantwortungslos.
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Schutzwesten:
Im Bereich des Brustkorbs (Thorax) treten häufig Prellungen/Quetschungen auf, gefolgt von Frakturen. Seltener führen solche Verletzungen (z.B. Rippenfrakturen) zu einem Kollaps der Lunge mit Einblutungen in die Brusthöhle. Verletzungen im Thoraxbereich entstehen oft durch Stürze vom Pferd, durch Huftritte oder Quetschungen, z.B. durch einen stumpfen Anprall mit dem Pferd oder einem Hindernis. Andere Ursachen wie ein Überschlag mit dem Pferd (sog. Slow Rotational Fall) kommen seltener vor.
Schutzwesten bieten den Bereichen Oberkörper/Rippen und Rücken ein gewisses Schutzpotential. In Untersuchungen von Verletzungen im Thoraxbereich mit und ohne Airbag-Schutzwesten für z.B. Motorradfahrer konnte das Einsenken des Brustbeins sowie die Verletzungsschwere signifikant vermindert werden. Der Airbag nimmt hierbei die Aufprallenergie auf, dämpft diese ab und minimiert so die Kräfte, die auf den Brustkorb wirken. Die herkömmlichen Schutzwesten im Pferdesport sind nicht dafür vorgesehen, einen vollständigen Schutz gegen Verletzungen bei Unfällen mit schweren Verdrehungen, Verbiegungen, Überdehnungen oder Quetschungen des Körpers zu bieten. Die Schwere der Verletzungen muss laut CEN-Norm jedoch gemindert werden. Hier bietet eine in Kombination mit der herkömmlichen Schutzweste angelegte Airbagweste zusätzlichen Schutz bei den o.g. Verletzungsmustern. Diese sog. Airbag-Schutzwesten können in sämtlichen Reit- und Fahrdisziplinen zur Anwendung kommen.

3. Reiterliche Fitness

Dr. Dißmann hält Fachvorträge zum Thema medizinische Reitsicherheit. Anfragen hierzu mit dem Kontakformular oder direkt unter (+49) 151 61035280.
"Reiterliche Fitness" oder auf Englisch "Riding Fitness" ist ein Begriff, welcher zuerst von Dr. Michael Turner, dem ehemaligen Verbandsarzt des britischen Jockey Clubs, geprägt wurde. Hierunter versteht der Reitmediziner das Zusammenspiel von Kraft, Ausdauer, Koordination, Flexibilität und Schnelligkeit. Diese Begriffe sind jedoch nicht "absolut" zu verstehen, da verschiedene Sportarten - und selbst die einzelnen Reitdisziplinen - eine verschieden starke Ausprägung der o.g. Merkmale verlangen. Bei vielen Reitern herrscht immer noch der Irrglaube, dass es für eine genügende reiterliche Fitness ausreicht, täglich ein oder mehrere Pferde zu reiten. Tatsächlich können einzelne der o.g. Komponenten z.B. durch Dauerlaufen/Radfahren, Krafttraining, Dehnungsübungen und Pilates viel besser trainiert werden. Damit ein Reiter im Training und am Prüfungstag seine optimale Leistung abrufen kann, empfiehlt sich zusätzlich eine ausgewogene Ernährung mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr.
Zur Verbesserung der reiterlichen Fitness gehören aber auch das sog. Falltraining mit Abrollübungen, um die während eines Sturzes frei werdenden Bewegungsenergie abzufangen und ggf. umzulenken. So können - ähnlich wie bei der Fallschule im Judosport - schwerere Verletzungen vermieden werden.
Gerade in Vorbereitung auf eine Leistungsprüfung sollte ein Trainingsplan entworfen werden, welcher besonderes Augenmerk auf ausreichende Erholungsphasen sowie eine spezifische Ernährung legt. Am Turniertag selbst ist eine optimale Ernährungsstrategie für die einzelnen Wettkampfphasen (Pre-competition, Competition und Post-competition) wichtig. Durch seine internationale Erfahrung im Elitesport, kann Dr. Dißmann hier wichtige Hinweise geben und hat Zugriff auf renommierte Sporternährungswissenschaftler.
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